Bei Filterkaffee kann man sich erschreckend leicht in einem Kaninchenbau aus teurer Ausrüstung, komplizierten Techniken und endlosen Diskussionen über winzige Details verlieren. Ich nehme meinen Kaffee durchaus ernst, würde aber auch gern einfach mal den verdammten Kaffee zubereiten.

Deshalb habe ich mich unter anderem für den weißen Hario V60 01 aus Kunststoff entschieden. Er ist günstig, unkompliziert, bei normaler Nutzung praktisch unkaputtbar und erledigt genau das, was ein Kaffeefilterhalter erledigen soll. Obwohl es teurere Alternativen aus Keramik, Glas und Metall gibt, halte ich Kunststoff hier tatsächlich für die sinnvollere Wahl.

Manchmal ist Kunststoff einfach besser

Der wichtigste Vorteil ist die Temperatur. Filterhalter aus Keramik und Glas haben eine deutlich größere thermische Masse und können dem Brühwasser deshalb Wärme entziehen, wenn man sie nicht ordentlich vorheizt. Beim V60 aus Kunststoff ist das längst nicht so ausgeprägt. Kunststoff isoliert relativ gut, man muss ihn also kaum vorwärmen und kann einfach Kaffee machen, statt sich Gedanken darüber zu machen, dass die schickere Variante für den drei- oder vierfachen Preis dem Kaffee erst einmal Wärme klaut.

Ich habe mich außerdem bewusst für die weiße Version entschieden. Besonders aufregend sieht sie nicht aus, aber genau das gefällt mir. Sie wirkt sauber und unaufdringlich, und auf der weißen Oberfläche sehe ich sofort, wann eine Reinigung nötig ist. Das ist mir lieber als ein Material, auf dem Kaffeerückstände erst auffallen, wenn es unappetitlich wird.

Und weil das Ding aus Kunststoff besteht, muss ich es nicht wie eine kostbare Antiquität behandeln. Es ist leicht, robust und lässt sich ohne Angst vor einem Missgeschick abwaschen. Ein Kaffeefilterhalter ist schließlich ein Werkzeug und kein Familienerbstück.

Nahaufnahme des weißen Hario V60 Größe 01 aus Kunststoff auf der Küchenarbeitsplatte

Größe 01: Genau richtig für eine Tasse

Die Größe 01 ist für kleinere Brühmengen gedacht, was mir perfekt passt. Meistens mache ich Kaffee in Tassen mit 200–250 ml, darunter meine Mumin-Tassen (als Finne gewissermaßen auf frischer Tat ertappt), und der V60 01 sitzt darauf problemlos. Der Boden bietet außerdem reichlich Auflagefläche, sodass er auf so ziemlich jede vernünftig dimensionierte Tasse oder jeden Becher passen sollte.

Hario gibt die Größe 01 für ein bis zwei Tassen an und kombiniert sie sogar mit einer 360-ml-Kanne. Sie kann also durchaus mehr als meine übliche Portion. Für mich sind ungefähr 300 ml allerdings der ideale Bereich und eine sinnvolle persönliche Obergrenze. Wer regelmäßig mehr zubereitet, sollte sich lieber den Hario V60 02 ansehen. Wozu den kleineren Dripper ausreizen, wenn Hario bereits eine passende größere Variante anbietet?

Hario V60 Größe 01 auf einer klassischen Mumin-Tasse

So einfach kann guter Kaffee sein

Der V60 01 passt genau zu meiner üblichen Kaffeezubereitung. Zusammen mit der Hario Drip Kettle Air kann ich sehr gut kontrollieren, wo und wie schnell das Wasser auf das Kaffeemehl trifft.

Wenn ich es genauer nehmen möchte, nutze ich außerdem meine Maestri House S2 Kaffeewaage mit Timer, um Kaffee und Wasser abzuwiegen und die Brühzeit zu messen. Damit lässt sich ein gelungenes Ergebnis erstaunlich leicht wiederholen, ohne aus dem Ganzen ein aufwendiges Wissenschaftsprojekt zu machen.

Natürlich gleicht der Filterhalter weder schlechte Bohnen noch einen ungeeigneten Mahlgrad oder eine schlechte Brühtechnik aus. Aber genau deshalb mag ich ihn. Er ist ein einfaches Werkzeug, mit dem ich mich auf die Dinge konzentrieren kann, die den Kaffee tatsächlich beeinflussen, statt auf die Ausrüstung selbst.

Mir gefallen diese kleinen Dripper sogar so gut, dass ich drei davon besitze. Einer steht zu Hause und zwei im Büro, wo ich zwei Tassen gleichzeitig zubereiten kann, statt sie nacheinander aufzubrühen. Bei dem niedrigen Preis ist ein zusätzlicher Dripper keine große Investition und ausgesprochen praktisch.

Hario V60 Größe 01 zusammen mit meiner Kaffeemühle und Kaffeewaage

Fazit: Genau so kompliziert, wie es sein muss

Der Hario V60 01 ist ein sehr günstiger Einstieg in guten Filterkaffee, und ich sehe keinen großen Grund, mehr Geld für den Filterhalter selbst auszugeben. Kunststoff fühlt sich vielleicht nicht so hochwertig an wie Keramik oder Glas, ist hier meiner Meinung nach aber praktischer. Er ist leicht, einfach zu reinigen, schwer kaputtzukriegen und ermöglicht hervorragenden Kaffee ohne eine Sammlung teurer Geräte.

Würde ich ihn wieder kaufen? Auf jeden Fall. Ich habe schließlich schon drei gekauft. Würde ich ihn empfehlen? Ohne zu zögern. Für eine einzelne Tasse Filterkaffee ist diese Mischung aus Einfachheit, niedrigem Preis und guter Verarbeitung kaum zu schlagen.

Und wenn man die Zubereitung nicht unnötig verkomplizieren will, muss man das auch nicht. Dieses günstige, aber ordentlich gemachte Stück Kunststoff, ein paar Hario V60 Papierfilter, Kaffee und heißes Wasser reichen völlig aus.

Wer dagegen mit Waage, Timer, exakt abgemessenen Mengen und ausgefeilten Gießtechniken alles möglichst kompliziert machen möchte, darf das natürlich gern tun. Und falls es so weit kommt … willkommen im Club!

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